urn-newsml-dpa-com-20090101-160210-99-610496_medium_4_3
  • Allgemeine News
Mit dem Haushaltsbuch finanzielle Spielräume entdecken
09.03.2016 / Isabelle Modler, dpa

Berlin (dpa/tmn) - Ein leckerer Kaffee zum Mitnehmen, abends Essen gehen und dann noch ins Kino - einzeln betrachtet sind das alles kleine Ausgaben. Doch sie summieren sich auf. Und plötzlich ist das Konto schon weit vor Monatsende leer.

Wer sich fragt, wo eigentlich sein ganzes Geld bleibt, sollte sich einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben verschaffen. Ein Haushaltsbuch kann das - regelmäßig geführt, entlarvt es überflüssige Ausgaben.

Idealerweise geht man dafür alle Kontoauszüge sowie zusätzlich Lastschriftverfahren und Daueraufträge auf Zahlungen durch, erklärt Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken. Und das möglichst vollständig. Zu den großen Posten gehören Miete, Strom, Telekommunikation und Versicherungen. Einmal zusammengerechnet, lassen sie sich als fester Betrag für alle weiteren Monate verwenden.

Jährliche Bezüge oder Aufwendungen pro Quartal wie für Versicherungen, Steuern oder Abschlagszahlungen sollte man in dem Monat eintragen, in dem sie anfallen, empfiehlt Sylvia Groh von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Oder aber man teilt sie durch zwölf und nimmt den Teilbetrag jeden Monat in die Planung auf. Dann folgen unregelmäßige Kosten wie für Lebensmittel, Kleidung, Freizeitausgaben. «Ein Aha-Erlebnis gibt es häufig beim Anteil an Ausgaben für Außer-Haus-Verpflegung», erzählt Groh. Hier ist auch an besondere Posten zu denken, etwa Aufwendungen für den Urlaub, für Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke oder für Möbel und Reparaturen.

«Für manche reicht es, das Haushaltsbuch nur für ein paar Monate zu führen, um die großen Posten zu identifizieren», sagt Beller. Dann lässt sich vorteilhafter wirtschaften. Wer allerdings wenig Budget hat oder an der Schwelle zur Überschuldung steht, sollte seine Ausgaben langfristig im Blick behalten.

Manche schreckt der Gedanke ab, jeden einzelnen Cent aufzuschreiben. «Das ist nicht nötig, ich arbeite meist mit gerundeten Beträgen», sagt die Diplom-Haushaltswissenschaftlerin Birgit Bürkin. Wichtig ist nur: Der Überblick muss schriftlich erfolgen. Manchmal fällt es leichter, Belege und Quittungen in einer Box zu sammeln und wöchentlich zu übertragen. Für Kartenzahlungen gilt: «Man sollte mindestens einmal im Monat seine Kontoauszüge kontrollieren», betont Beller. Der Vorteil: Dann wächst der Berg nicht ins Unermessliche.

Ein Haushaltsbuch ist nur dann richtig aussagekräftig, wenn die Eintragungen konsequent erfolgen und ausgewertet werden. «Da hilft es nicht, nur die Ausgaben einzutragen, für die man beispielsweise einen Beleg hat», sagt Groh. Denn häufig summieren sich unregelmäßige, kleine Posten zu erstaunlich hohen Beträgen. Groh empfiehlt: «Für die kleinen Besorgungen zwischendurch können Verbraucher sich einen Zettel in den Geldbeutel stecken, auf dem sie sich alles notieren.»

Längst müssen Sparer die Ausgaben nicht mehr mit Zettel und Stift festhalten. Excel-Tabellen, Anwendungen im Online-Banking oder Buchhaltungs-Programme für den PC sind Alternativen. Der große Vorteil: Regelmäßige, feste Posten lassen sich kopieren und leichter für alle Monate übernehmen. «Für viele ist gerade in diesem Bereich auch eine App hilfreich», findet Groh. Sie ist immer griffbereit, um auch unterwegs alle Ausgaben zu notieren.

Wichtig: Bei der Suche nach einem App-Anbieter sollten Verbraucher darauf achten, wer hinter dem Service steckt und welche Interessen er hat, rät Bürkin. Das gelte insbesondere, wenn diese Programme auch normale Bankgeschäfte ermöglichen, ergänzt Groh. «Wer nicht möchte, dass die Bank zu viele Informationen bekommt, lässt besser die Finger davon.» Und die Angebote sollten deutsches Datenschutzrecht anwenden.

Service:

Verbraucherzentralen: Das Haushaltsbuch - Alle Finanzen im Griff - Ausgaben und Einnahmen für 12 Monate, 2015, 100 S., 7,90 Euro, bestellbar im Internet.

Haushaltsbuch


Checkliste fürs Sparen im Haushalt

Oft lässt sich im Haushalt schon Geld sparen, wenn man wichtige Kostenpunkte überprüft oder sein Verbrauchsverhalten ändert. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen nennt die wichtigsten Stellschrauben:

Anbieterwechsel: Der Strom-, Gas- und Telekommunikationsmarkt verändert sich laufend. Ein Tarifvergleich hilft, günstigere Angebote zu finden. Verbraucher sollten dann sobald wie möglich wechseln. Wichtig dabei: Darauf achten, dass wirklich der Tarif günstig ist und nicht nur der Wechselbonus ein Lockmittel ist, so dass die Kosten im Folgejahr wieder steigen. Verbraucher sollten außerdem auf keinen Fall einen Anbieter wählen, der Vorkasse verlangt.

Vertragsprüfung: Bindungen an Fitnessstudios oder ein teurer Handyanbieter gehen ins Geld. Teilweise sind die Verträge zu teuer oder man braucht sie nicht wirklich. Dann gilt: Kündigen, damit sie nicht jeden Monat einen Teil des Budgets auffressen. Apps erinnern an die Kündigungsfristen. Auch ein frühzeitiger Eintrag im Kalender kann alternativ hilfreich sein. Viele Mitgliedsbeiträge, aber auch Zahlungen an Versicherungen, sind günstiger, wenn Verbraucher nicht monatlich, sondern jährlich bezahlen. Falls finanziell möglich, sollte man dies nutzen.

Versicherungsbedarf: Nicht jede Police ist notwendig. Gerade wenn sich die Lebenssituation verändert, lohnt es sich, die Verträge zu überprüfen. Ein unabhängiger Berater kann dabei helfen, den eigenen Bedarf zu ermitteln.

Stand-by: Durch einen Wechsel des Energieanbieters können Verbraucher unter Umständen bis zu 150 Euro im Jahr sparen. Und wer seine Geräte nicht im Stand-by-Modus laufen lässt, sondern ausschaltet, kann bis zu 80 Euro im Jahr einsparen.

Rabatte nutzen: Senioren, Familien, Studenten, aber auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen können häufig von Ermäßigungen profitieren. Ob bei Freizeitangeboten, Kino-Besuchen oder im öffentlichen Nahverkehr: Nachfragen lohnt sich.

Lebensmittel: Beim Einkauf auf Schnäppchen und Angebote achten, mehr saisonale Ware kaufen und nur mit Einkaufsliste in das Geschäft gehen. Auch durch Preisvergleiche können Verbraucher sparen, für Familien oder Wohngemeinschaften lohnen sich Großpackungen.

Unser Service
08000 39 8000
Mo. -Fr. 08:00 Uhr bis 20.00 Uhr
Online-Beratung
icon-Footer-online-beratung
Unsere Partner