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Experteninterview: Private Krankenversicherung – das müssen Sie wissen

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Eine Krankenversicherung ist für jeden Deutschen essentiell. Privatversicherte genießen dabei bessere Leistungen als Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen. Dennoch heißt es nicht bedenkenlos zugreifen. Jeder sollte genau wissen, was auf ihn zukommt und worauf es zu achten gilt. Dabei sehen sich PKV-Interessenten mit zahlreichen Fragen konfrontiert: Wer kann sich überhaupt privat krankenversichern? Was kostet die PKV? Was tun im Fall von Beitragserhöhungen? Harald Gesellensetter, Abteilungsleiter Krankenversicherung bei impuls, hat die wichtigsten Fragen für Sie beantwortet.

impuls Blog: Herr Gesellensetter, wir freuen uns, dass Sie uns Rede und Antwort stehen. Können Sie zu Beginn kurz zusammenfassen, welche Vorteile die private Krankenversicherung gegenüber der gesetzlichen bietet?

H.G.: Der augenscheinlichste Vorteil besteht neben dem einkommensunabhängigen Beitrag sicher in den Mehrleistungen gegenüber der GKV. So sind je nach Tarif etwa Chefarztbehandlung, stationäre Unterbringung im Einbettzimmer, hohe Kostenerstattung für Zahnersatz oder weltweiter Krankenschutz möglich. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Punkten, die für jeden einzelnen individuell unterschiedlich wichtig sind. Deshalb müssen im Vorfeld die Bedürfnisse des Kunden erörtert werden, um dann über die Vorteile zielgerichtet informieren zu können. Nach der Wahl der richtigen Gesellschaft und des richtigen Tarifs gibt es kaum ein Argument für die GKV.

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impuls Blog: Wer kann sich privat krankenversichern? Für welche Gruppen ist die PKV besonders sinnvoll?

H.G.: Selbstständige, Freiberufler, Angestellte, Arbeitnehmer, Beamte, Ärzte und Studenten können eine private Krankenversicherung abschließen. Grundsätzlich ist die PKV für jede genannte Gruppe sinnvoll. Ob sie im Einzelfall eine gute Lösung ist, ist immer individuell zu entscheiden. Zum Beispiel wird aufgrund der beitragsfreien Familienversicherung von Kindern häufig empfohlen, dass Familien lieber in der GKV bleiben sollen. Betrachtet man jedoch den gesamten Lebenszyklus und bedenkt, dass man vor und nach den Kindern oftmals über 20 Jahre seines Lebens weniger Beiträge bei besseren Leistungen bezahlt, ist auch ein zusätzlicher Beitrag für Kinder vertretbar. Außerdem gibt es sehr gut verdienende Personen, die auch 5 Kinder privatversichern, weil es ihnen die Leistungen wert sind. Deshalb sollte man Pauschalaussagen bei der Sinnhaftigkeit vermeiden und das individuelle Bedürfnis betrachten.

impuls Blog: Selbstständige und Beamte sind nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Der Wechsel in die PKV ist daher für sie relativ einfach. Welche Voraussetzungen gelten jedoch für Angestellte, die in die PKV wechseln wollen?

H.G.: Arbeitnehmer, deren regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt eine bestimmte Grenze übersteigt, können sich privat krankenversichern. Diese sogenannte Versicherungspflichtgrenze liegt 2016 bei 56.250€ brutto. Für die Berechnung des Jahresentgelts sind nahezu alle Einkünfte relevant, die ein Beschäftigter aus einem Arbeitsverhältnis erzielt. Zusätzlich zu Lohn bzw. Gehalt sind das z.B. Zuwendungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Ebenfalls angerechnet werden Gewinnbeteiligungen, pauschale Überstundenvergütung sowie vermögenswirksame Leistungen des Arbeitgebers. Sonderzuwendungen oder einmalige Bonuszahlungen, die nicht jährlich wiederkehren, werden hingegen nicht zur Berechnung herangezogen.

impuls Blog: Was kostet die PKV?

H.G.: Da sich der Beitrag der PKV nach dem Eintrittsalter und dem gewünschten Leistungsumfang des Tarifes richtet, ist eine Aussage hier nicht möglich. Wenn man die Gesamtlaufzeit betrachtet, kann man jedoch zusammenfassen, dass man immer günstiger fährt als in der GKV. Mithilfe des impuls Schnellrechners können Sie mit wenigen Daten Ihren individuellen Beitrag zur privaten Krankenversicherung selbst berechnen: Zum impuls Schnellrechner.

impuls Blog: Im Jahr 2016 haben einige private Krankenversicherer ihre Beiträge erhöht. Worin sehen Sie die Gründe für diesen Anstieg?

H.G.: Die Hauptursache, warum es immer wieder vereinzelt zu überdurchschnittlichen Erhöhungen kommt, liegt im System. Versicherer dürfen ihre Beiträge nur erhöhen, wenn die jährliche Schadenüberprüfung eine Kostenerhöhung von mindestens 5% beträgt (über 10% müssen sie). Angenommen, die Kosten steigen jedes Jahr um 4,5%, so baut sich ein massiver Anpassungsbedarf auf. Selbstverständlich spielt auch das niedrige Zinsniveau eine Rolle. Ursprünglich wurden die Tarife mit einem Rechnungszins von 3,5% kalkuliert. Im Zuge einer Anpassung haben viele Gesellschaften diesen einkalkulierten Zins auf 2,75% reduziert, was sich natürlich in der Höhe des Beitrags wiederspiegelt (Faustformel: je 0,1% Rechnungszinssenkung sind 1% Anpassung nötig). Wer jedoch bei einem finanzstarken Unternehmen versichert ist, hat hier nur oberflächlich einen Nachteil. Da 90% des Überzinses wieder für den Kunden verwendet und im Schnitt von finanzstarken Versicherern noch fast 4% erwirtschaftet werden, muss zwar mehr gezahlt werden, aber es wird auch mehr gutgeschrieben. Um also Anpassungen beurteilen zu können, müssen mehrere Indikatoren einbezogen werden.

impuls Blog: Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung der Beiträge?

H.G.: Das hängt von der Entscheidung des Kunden und der Wahl der Gesellschaft ab. Ich bin froh, dass immer mehr Interessenten und Kunden sich von der „Geiz ist Geil“-Mentalität verabschieden. Wer heute billig abschließt, zahlt im Alter den Preis dafür. Qualität gibt es nicht geschenkt, weshalb Beiträge auskömmlich kalkuliert sein müssen. Ein Preisvergleich macht also nur für denjenigen Sinn, der auch die Qualität des Tarifes berücksichtigt.

Ausschlaggebend wird jedoch auch die Wahl eines finanzstarken Versicherers sein. Wer sein Geld anlegen will, sucht am Markt das Angebot mit der besten Rendite. Da Krankenversicherer einen großen Teil des Beitrags für das Alter zurücklegen, sollte auch hier die finanzielle Stärke berücksichtigt werden. Denn es gilt: Je besser die Anlage, desto stabiler die Beiträge im Alter.

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impuls Blog: Welche Handlungsoptionen haben Betroffene bei einer Beitragserhöhung? Welche Tipps können Sie ihnen als Experte geben?

H.G.: Zunächst einmal sollte man besonnen reagieren, sich mit Hilfe eines Experten einen Marktüberblick verschaffen und sich folgende Fragen stellen: Habe ich die richtige Gesellschaft oder ist ein Wechsel der Gesellschaft noch sinnvoll? Habe ich den richtigen Tarif oder gibt es für mich bei meiner Gesellschaft eine Alternative? Auf keinen Fall sollte man sich in die Hände von sogenannten Tarifoptimierern begeben. Diese holen sich lediglich Umstellungsangebote ein und verlangen dann 9 bis 12 Monatsbeiträge der Ersparnis vom Kunden. Zum einen gibt es diese Angebote vom Versicherer kostenlos (dieser muss aufgrund von §204 auch umstellen) und zum anderen fehlt bei der Auswahl des vielleicht passenden Tarifs die nötige qualifizierte Beratung mit fachlichem Hintergrund.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass es immer sinnvoll ist sich von einem tatsächlichen Spezialisten individuell beraten zu lassen, um dann eine langfristige Entscheidung zu treffen. Denn wer eine finanzstarke Gesellschaft und einen Tarif mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis hat, der muss sich nicht jedes Jahr Gedanken über einen Wechsel machen.

impuls Blog: Herr Gesellensetter, wir bedanken uns herzlich für das Interview!

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